Die Weisheit der Schnecke


Mag. Cassandra Cicero - Teammitglied des Vereins Lichterkette zu ihrem Buch: Das Leben mit chronischer Erkrankung – sei sie psychisch, körperlich oder beides – ist meistens eine belastende oder zumindest unangenehme Situation. Einige Punkte gibt es, die u. a. helfen können, mit dieser Situation besser zu leben.


- Wissen um die medizinischen Vorgänge bei der betroffenen Krankheit, z. B. die Einwirkung der Stresshormone auf die Körperchemie oder wie Schmerz funktioniert


- Selbstachtsamkeit, Selbstfürsorge, Grenzen setzen und Entschleunigung: es kann helfen, wenn man lernt (auch wenn das manchmal nicht leicht ist), die eigenen Bedürfnisse von Körper und Seele in verschiedenen (Alltags-)Situationen zu erkennen und zu erfüllen. Dabei ist es gut, wenn man immer in seinem eigenen Tempo vorgehen darf und auch einmal nein sagen kann.


- Umgang mit Stress: Stress kann vielerlei sein und machen, es gibt auch Stress durch freudige Ereignisse (z. B. Reise). Stress kann durch äußere Faktoren (z. B. gerade jetzt, die Corona-Krise, aber auch durch einen Chef, finanzielle Probleme u. v. m.), durch die Krankheit selbst (Schmerzen, Antriebslosigkeit, Motivationslosigkeit, Ängste u. a.) oder durch innere Faktoren (Gefühle, Minderwertigkeitsgedanken u. ä.) kommen. Bei Stressfaktoren geht es um die Frage: welche dieser Gegebenheiten kann man möglicherweise weglassen oder delegieren, welche muss man aushalten und welche kann man, z. B. durch Behandlungen, Therapien, Medikamente, Entspannungstechniken auch verbessern? Und gibt es vielleicht Bedingungen, die es einem erleichtern, mit einem Stressfaktor umzugehen, den man aushalten muss? Das können teilweise kleine Dinge sein, z. B. eine Tasse Tee, wenn ich viel Arbeit habe und einmal innehalten schon hilft oder ein heißes Bad bei Schmerzen, die anders nicht zu ändern sind.


- Ein weiterer wichtiger Bereich beim Leben mit chronischer Krankheit ist das Suchen und Erleben von Freude. So wie Stress für den Körper belastende Hormone (Cortisol, Adrenalin etc.) ausschüttet, löst Freude Hormone aus, die dem Körper guttun (z. B. Dopamin, Serotonin). Viele von uns sind es aufgrund der Erziehung in unserer Gesellschaft nicht gewohnt, Sachen zu tun, „nur“ weil sie Spaß machen, ohne dass sie einen Sinn haben müssen. Die positiven Stoffe, die durch freudige Tätigkeiten - egal ob das Lesen, Fernsehen, Bewegung, Spielen, Singen, Kochen u. v. m. – entstehen, sollten „Sinn“ genug sein, uns so viel wie möglich diesen Tätigkeiten zu widmen.


- Zu guter Letzt ist es empfehlenswert, regelmäßig nicht nur das eigene Befinden zu überprüfen, sondern auch achtsam zu sein, wie es uns in den verschiedensten Beziehungen geht. Beziehung zu anderen Menschen können eine große Bereicherung sein und viel Freude und Unterstützung bringen, man muss aber immer schauen, dass man zu toxischen Beziehungen oder so genannten Energievampiren auch Abgrenzung lernt.

Alle diese Faktoren können helfen, einen besseren Umgang mit chronischen Krankheiten zu finden. Doch soll man sich nicht selbst unter Druck setzen, diese alle und möglichst schnell umzusetzen, sondern es genügt, wenn man immer wieder einmal daran denkt und wenn es passt, vielleicht auch langsam wie eine Schnecke, einmal das eine oder andere umzusetzen. Hier ein Link zum Buch: Die Weisheit der Schnecke

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