Psychisch krank und die Angst vor Corona

Melanie erzählt von ihrem Umgang mit Covid19 und wie sie die Erkrankung erlebt hat. Hallo. Mein Name ist Melanie, ich bin 35 Jahre alt, Diabetikern, übergewichtig und mehrfach psychisch krank also rundum bedient, um es so höflich wie möglich auszudrücken.

Seit nun etwas mehr als 2 Jahren kämpfen wir als Menschheit gegen eine Pandemie. Ja, natürlich kann man sagen, dass ist alles nur inszeniert, erfunden, gestellt … was auch immer aber Fakt ist, Menschen erkranken daran - manche leichter, manche schwerer und manche sterben sogar daran und auch hier ist viel Spielraum für Interpretationen aber wir können es allesamt nicht leugnen.

Ich habe u.a. mehrere Angststörungen und ich dachte eigentlich immer bzw. habe mir eingeredet, alles im Griff zu haben. Und dann kommt da dieser kleine, unsichtbare Virus und macht mir das Leben zur Hölle. Seit gut einem Jahr, vorher habe ich es ehrlich gesagt versucht zu ignorieren, kämpfe ich darum einen Hausarzt zu finden. Und ja, es ist wirklich ein Kampf, weil ich nun Mal schwierig und eigen bin und nicht vertrauen kann, schon gar nicht Ärzten und während ich am kämpfen bin, wächst meine Verzweiflung ins Unermessliche, weil ich weiß, dass ich gefährdet bin und meine Ängste es nicht zu lassen, dass ich einen Arzt finde. Und so kämpfe ich mich von Tag zu Tag, von Arzt zu Arzt. Die Ängste wachsen und stehen mir immer mehr im Weg und dann passiert, was ich seit 2 Jahren versuche zu vermeiden. Ich war nur einen Moment nicht aufmerksam und heute vor genau 16 Tagen, war mein Test positiv.

Mir ist es ganz wichtig an dieser Stelle festzuhalten, dass ich weder Impfgegner noch Befürworter bin und niemanden bekehren möchte, ich möchte euch nur aus meiner subjektiven Sicht erzählen.

Mit dem positiven Testergebnis kam schlagartig die Überzeugung, dass ich sterben würde. Ich war nie ein guter Mensch und ich habe so viel in meinem Leben falsch gemacht; ich habe es nicht verdient zu leben, ich habe niemals Glück. Und anstatt mich darauf zu konzentrieren positiv zu denken, schwächt mich diese Angst, weil ich an nichts anderes denken kann, außer, dass ich sterben werde. Ich spiele sogar mit dem Gedanken mein Leben vorzeitig zu beenden, weil ich nicht ersticken etc. möchte, obwohl ich ehrlich gesagt, nur ganz milde Symptome hatte. Mein ganzes Denken, alles ist von Angst durchdrungen. Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Eines vorneweg: heute ist mein Tag 16 und ich lebe. Wem oder was ich das zu verdanken habe, keine Ahnung aber ich lebe jede Sekunde bewusst meine zweite Chance.

Warum ich diese Zeilen nun schreibe? Corona ist ein fieses Virus, das wissen wir mittlerweile alle aber noch schlimmer sind psychische Erkrankungen wie Ängste und der Irrglaube Herr über sie zu sein. Mit seinen Erkrankungen zu leben kostet viel Kraft, Zeit, Stärke und Mut und ich bitte euch, steckt nicht den Sand in den Kopf, kämpft dagegen an und lasst euch nicht von ihnen beherrschen. Lasst nicht zu, dass sie euch schaden.

Beginnt genau jetzt, genau heute, genau hier, bevor es eines Tages zu spät ist.

Lasst euch helfen, sucht Hilfe und kämpft dagegen an.

Es gibt so viele schreckliche Dinge in der Welt, gegen die man nichts ausrichten kann aber psychische Erkrankungen und scheinen sie noch so übermächtig, kann man behandeln. Ihr seid nicht alleine, wir sind so viele – gebt nicht auf. Bild: Pixabay


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