Heiße Temperaturen, aber kalte Herzen

Melanie, Teammitglied der Lichterkette, hat kürzlich Folgendes miterlebt, das sie mit euch teilen möchte. Es zeigt, was viele Menschen mit psychischer Erkrankung ausmacht, nämlich die Herzlichkeit ! Ich möchte euch heute etwas erzählen weil es mich einfach sprachlos gemacht hat aber ich nicht länger schweigen kann und möchte. Ich war, wie jeden Nachmittag, am Bach in Urfahr, mit meiner Omahündin spazieren, nicht sehr schnell aber wir kommen vorwärts. Als wir da so schlenderten entdeckten wir eine ältere Dame auf einer Bank. Beim ersten Vorbeigehen dachte ich mir noch nichts aber bei genauerer Betrachtung bemerkte ich, dass sie in sich zusammen gesunken war. Wir gingen zu ihr und ich berührte sie leicht am Knie und fragte sie, ob alles gut sei und sie Hilfe bräuchte. Sie blickte mich verwirrt an und schrie, dass alles schon egal sei und man sie einfach in Ruhe lassen sollte. Ich probierte noch sie zu fragen, wie sie heißt und, ob sie in der Nähe wohnt aber darauf reagierte sie leider nicht mehr. Ich entschuldigte mich bei ihr, dass ich sie gestört hatte und sie reagierte wahnsinnig lieb auf meine Hündin – „A so a liabes Hundal“. Danach distanzierte ich mich etwas, da ich nicht zu aufdringlich sein wollte und überlegte was ich tun kann. Offensichtlich war die Frau alleine und verwirrt. An diesem Tag war es sehr heiß und sie schwitzte stark. An einer Hand konnte ich eine Spastik entdecken und sie dürfte über 60ig gewesen sein. Mit gutem Gewissen konnte ich nicht weiter gehen und sie einfach alleine zurück lassen, weswegen ich mehrere Passanten ansprach und fragte, ob jemand sie vielleicht kenne. Die Antworten waren durchwegs die selben: „A Angsoffene, a Deppate. Los in ruah, kimma di um die selba. Mir egal. I wü nix damit zu tun hoam“. Ich war ehrlich gesagt geschockt und traurig und wütend, alles auf einmal und noch viel mehr. Sind wir wirklich mittlerweile alle so kalt geworden? Ist der andere nichts mehr wert, nur, weil wir ihn nicht kennen? Wie kommt man darauf, dass sie betrunken oder „deppat“ ist? Es gibt so viele Erkrankungen, die man auf den ersten Blick nicht sehen kann. Ich habe nicht aufgeben und irgendwann kam eine junge Mutter vorbei und sie war bereit zu helfen. Sie hat versucht diverse Sozialeinrichtungen zu erreichen aber es war bereits nach 5 und niemand hob mehr ab. Wir waren überfragt. Wer ist in solch einer Situation zuständig? Wer ist der richtige Ansprechpartner? Wer kann helfen? Der Samariterbund, die Rettung und die Polizei spielten sich im Endeffekt gegenseitig den Ball zu und nach 2 ½ Stunden kam schlussendlich der Samariterbund aber da war die Dame schon gegangen. Ich weiß nicht, ob sie an dem Tag schon etwas gegessen oder getrunken hatte; das was Ich weiß nicht, ob die Dame psychisch krank ist oder nur einen schlechten Tag hatte. Ich weiß nicht, ob die Dame bereits jemandem abgegangen ist und vielleicht ein zu Hause hat. Ich weiß nur, und das aus tiefstem Herzen, dass das alles nicht richtig ist. Niemand sollte alleine sein, wenn er Hilfe benötigt. Niemand sollte einfach so abgestempelt und im Stich gelassen werden. Und eines weiß ich ganz genau, auch wenn ich dieser Dame nicht helfen konnte, ich würde immer wieder genau so reagieren und alles versuchen und ich werde dafür kämpfen, dass ich irgendwann unter diesen Beitrag eine Telefonnummer schreiben kann, an die man sich in so einem Fall wenden kann. Eine sehr traurige Geschichte, die Melanie hier erzählt, aber solange es Menschen wie Melanie gibt, gibt es Kämpfer*innen für mehr Wärme in den Herzen.

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